Therapiemöglichkeiten
Ziel der Therapie ist es, die Erregerlast deutlich zu verringern und damit das Immunsystem in die Lage zu versetzen,
die Infektion selbstständig zu kontrollieren. Eine vollständige Beseitigung aller Erreger ist jedoch nicht möglich.
1. Antibiotische Therapie
Kriterien für die Auswahl der anzuwendenden Antibiotika
- Persisterformen und Überlebensstrategien der Bakterien erfordern spezifische Antibiotika
- Die Wirkstoffe müssen in der Lage sein, Zysten zu zerstören, Biofilme zu zerstören, intrazellulär zu wirken, in schlecht durchblutetes Gewebe einzudringen und die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden
- Erregerspezifischer Einsatz der Antibiotika mit Wechsel alle 4-6 Wochen.
- Co- und Mischinfektionen erfordern den Einsatz von Antibiotikakombinationen, die sich in ihrer Wirkungsweise ergänzen
- Die virusinduzierte höhere Pathogenität der Infektionen erfordert den Einsatz von Virostatica
- Antihelmintika sollen das Überleben der Bakterien und Viren in Würmern verhindern
- Protozoen und Babesien erfordern den Einsatz von Antiprotozoika, auch Malariamedikamente.
-
In Deutschland wird hauptsächlich Doxycyclin und Amoxycyclin angewandt. Diese Antibiotika reduzieren zwar die Anzahl der Borrelien im Blut um 90%, gleichzeitig verdoppelt sich aber die Anzahl der Zysten. Dadurch wirkt die Entstehung des chronischen
Stadiums begünstigt.
Wichtige Prinzipien der Antibiotika-Therapie:
- Ausreichend lange behandeln
- Ausreichend hoch dosieren, wie bei schweren Infektionen
- Antibiotikakombinationen verwenden und diese im Verlauf wechseln
- Therapie möglichst bis zur Symptomfreiheit
- Individuelle Therapiepläne
- Führung eines Symptomtagebuchs
Art und Weise der Anwendung
- Orale Anwendung der Antibiotika
- Intravenöse Therapie
- Gepulste Therapie
- Ergänzende naturheilkundliche Therapie
Unterstützende Therapie und Nachbehandlung
- Toxinausschwemmung, Säuresenkung (basisches Milieu), Unterstützung des Immunsystems, Durchblutungsförderung, Darmsanierung, Einsatz pflanzlicher antibiotisch wirkender Substanzen
- Im Bedarfsfall Schmerzmittel, Antidepressiva
Hinweise zur gesunden Lebensweise
- Ernährung, fett- und kohlehydratarm, kein Zucker, ausreichend Flüssigkeit
- Vermeidung von Elektrosmog
- Basisches Milieu
- Keine Eisensubstitution
- Keine Immunsuppressiva
- Heiß Baden und Sauna zur Toxinausschwemmung
- Vitamine A, E und K, möglichst keine Substitution
- Ausreichend Bewegung an frischer Luft
- Ausreichend Schlaf
- Kein Nikotin, Alkohol nur in geringen Mengen
- Neuste Forschungsergebnisse belegen Therapieerfolge mit Daptomycin i.v.In Kombination mit Cefuroxin oral, Doxycyclin oral
- Bei Coinfektionen werden hohe Erfolgsquoten mit dem Einsatz von Dapson in Kombination mit Eremfat erzielt.
- Der Wirkstoff Disulfiram könnte bei chronischen Infektionen langanhaltende Symptomfreiheit erzielen.
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2. Allgemeine Hinweise zur Disulfiram-Therapie"
Bei der Anwendung des Wirkstoffs Disulfiram beachte ich folgende Grundsätze:
Mit dem Medikament Disulfiram ist uns ein Wirkstoff in die Hand gegeben, welcher für die Behandlung chronischer Infektionen mit scheinbar bisher ungeahnten Erfolgsaussichten verbunden ist. Das unter dem Namen „Antabus“ oder „Esperal“ seit vielen Jahren
als Mittel zur Abstinenz bei Alkoholmissbrauch genutzte Medikament ist ein Enzymhemmer und hat antiparasitäre, antibakterielle und antivirale Aspekte. Es soll auch bei Krebs erfolgreich wirken. Es ist kein Antibiotikum, sondern ein Sulfid. Der
genaue Wirkmechanismus bei Borreliose ist noch weitestgehend unerforscht. Ärzte der internationalen ILADS Organisation (Dr. Kinderlehrer, Dr. Liegner) haben Disulfiram 2017 als erste angewandt. Sie berichten über langjährig erkrankte Patienten,
bei denen eine hochdosierte Langzeitantibiose erfolglos geblieben war. Diese wurden mit einer 4 – 6-monatigen Disulfiram Behandlung langanhaltend beschwerdefrei. Ich behandle meine Patienten seit 2019 mit Disulfiram. Inzwischen verfüge auch ich
über umfangreiche Erfahrungen beim Einsatz dieses Wirkstoffes. Disulfiram bietet für die Patienten viele Vorteile:
- Es ist relativ gut verträglich.
- Die Dosierung kann je nach Verträglichkeit individuell angepasst werden. Das ist mit Antibiotika nicht möglich. Niedrige Dosierungen würden zu Resistenzen führen.
- Disulfiram beeinträchtigt die Darmflora nicht oder nur sehr gering.
- Die Therapie mit Disulfiram führt in der Regel zu langanhaltenden Erfolgen. Rezidive sind seltener als nach einer Antibiotikatherapie, weil das Disulfiram die Biofilme, in denen Bakterien überleben, vollständig zerstört
- Es muss höchstens eine Tablette täglich eingenommen werden. Bei Antibiotikatherapien dagegen sind Kombinationstherapien mit täglich 6 - 10 Tabletten notwendig.
- Das Medikament ist sehr preiswert.
Natürlich bietet diese Therapie nicht nur Vorteile. Eine nicht unbegründete Befürchtung sind neurologische und psychische Symptome. Wie auch bei der Antibiotikatherapie fallen Neurotoxine an und es entstehen Herxheimer- Reaktionen, die sehr heftig
sein können. Die Folge sind Depressionen, Angstzustände, Polyneuropathie, Fatiquesyndrom und in Einzelfällen sogar Suizidgefahr. Wenn die Dosis nicht zu hoch gewählt wird, die Therapie mit Pausen versehen und verschiedene zusätzliche Wirkstoffe
eingenommen werden, ist es möglich, das Risiko für diese Reaktionen gering zu halten. Die diesbezüglichen Wirkstoffe mit entsprechender Dosierung sind in meinen Empfehlungen enthalten. Weil sich Disulfiram nicht mit Alkohol verträgt, ist unbedingt
auf den Genuss von Alkohol zu verzichten. Die beim Zerfall der Bakterien freiwerdenden Toxine werden in der Leber abgebaut. Bei der Disulfiram- Behandlung fallen besonders viele Toxine an. Deshalb müssen vor der Behandlung und in den ersten Behandlungswochen
alle 14 Tage die Leberwerte kontrolliert werden, später in 6 - 8 wöchigen Abständen dann auch das Blutbild und die Nierenwerte.
Bei der Anwendung des Wirkstoffs Disulfiram beachte ich folgende Grundsätze:
- Niedrige Dosierung erfordert längere Anwendung. Bietet aber den Vorteil, dass der Körper es verträgt.
- Eine gepulste Therapie, bei der Pausen eingelegt und stabilisierende Wirkstoffe eingenommen werden, ist es für Patienten mit beeinträchtigtem Immunsystem geeignet.
- Die Therapie ohne Pause mit höherer Dosierung braucht eine geringere Behandlungszeit und ist für Patienten mit intaktem Immunsystem geeignet.
- Bei Patienten, die bisher noch nicht behandelt wurden, kann die Therapie zunächst mit Antibiotika begonnen und später mit Disulfiram fortgesetzt werden.
-
Obwohl Disulfiram ein breites Wirkspektrum hat (Viren, Bakterien und sogar Parasiten werden erfasst) ist es bei einigen Problemkeimen wirkungslos. Dann erfolgt die Kombination mit einem Antibiotikum. Beides Disulfiram und das Antibiotikum in niedriger
Dosierung, weil sich die Wirkung der Substanzen durch die Kombination verstärkt.
Seit bekannt geworden ist, dass Disulfiram bei chronischen Infektionen und sogar bei Krebs erfolgreich angewendet werden kann, ist es in Deutschland vom Markt genommen worden. Ich halte das nicht für einen Zufall. Sie erhalten Antabus auf Rezept in
benachbarten Ländern, z. B. Polen, Frankreich, Tschechien, Großbritannien und andere. Es gibt zum Disulfiram nur wenige Erfahrungsberichte und meines Wissens kaum Anwendungsbeobachtungen sowie keine wissenschaftlichen Studien. Ich möchte im Rahmen
einer Anwendungsbeobachtung zur Aufklärung, Akzeptanz und zur Erweiterung des Kenntnisstandes beitragen. Deshalb bitte ich meine Patienten ihre Symptome bei entsprechender Dosierung des Medikaments schriftlich festzuhalten. Ziel ist es, diese
Zuarbeit auszuwerten und zu veröffentlichen. Je erfolgreicher diese Therapie bei vielen Patienten angewendet wird, desto mehr Sicherheit gewinnen wir, den Betroffenen helfen zu können. Wir wissen längst noch nicht alles über Disulfiram, aber wir
handeln nach dem Grundsatz: „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren“.
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Weitere therapeutische Möglichkeiten
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Vor- und Nach-teile: Nach zu lesen, in meinem Buch: "Medizin zwischen Wahrheit und Lüge -> Borreliose ohne Hoffnung?" zum Buch
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